Historicher überlick
Der Reformierte Kirchenbezirk Großkarol erstreckt sich in seiner heutigen Form mit 33 Gemeinden im südlichen Teil des Kreises Sathmar, südlich der Linie des Flusses Kraszna. Im Westen wird er von der Staatsgrenze, im Süden vom Iergebiet, im Osten vom Szilágy begrenzt. Seine gegenwärtige Gestalt erhielt der Kirchenbezirk im Jahr 1994, als sich der Sathmarer Kirchenbezirk von ihm abspaltete.
Mit Großkarol verbindet man in erster Linie den Namen Károli Gáspár, der hier unter dem Namen Radicsics geboren wurde. Mit der Veröffentlichung der Vizsolyer Bibel im Jahr 1590 schenkte er der Nachwelt nicht nur die erste vollständige ungarische Bibelübersetzung, sondern prägte auch nachhaltig die Entwicklung der ungarischen Sprache und Kultur.
Eine Vielzahl von Synoden des 16. Jahrhunderts belegt, dass das Gebiet entlang der Kraszna als Wiege und Zentrum der ungarischen Reformation galt. Nach der Schlacht bei Mohács bot sich hier im Rahmen der auflösenden mittelalterlichen Kirchenstrukturen Raum für eine außergewöhnlich fruchtbare evangelische Erneuerungsbewegung, die wesentlich zur Bewahrung der nationalen Identität beitrug. Auf Derecskei Demeter folgten Persönlichkeiten wie Kopácsi István, Batizi András, Dévai Bíró Mátyás und Szegedi Kis István, der vermutlich 1545 kurzzeitig in Trestenburg unterrichtete. Bedeutend war auch die Unterstützung durch Drágfi Gáspár aus Bildegg, der als Obergespan des Komitates Mittelszolnok eine friedliche Durchsetzung der Reformation ermöglichte.
Die Synoden von Erdeed (1545, 1555) sowie jene von Óvári (1554) gelten daher als erste Meilensteine der Reformation im ungarischen Raum.
Die reformierte Kirchenorganisation baute sich in natürlicher Weise auf den Strukturen der mittelalterlichen Kirche auf. In diesem Zusammenhang gilt das mittelszolnokische Archidiakonat der siebenbürgischen Diözese als Vorläufer des Kirchenbezirks Großkarol. Sein Einfluss erstreckte sich auf 17 Gemeinden des Iergebiets sowie auf 26 Gemeinden des Kreises Sathmar.
Tasnáds besondere Bedeutung lag darin, dass es Sitz des jeweiligen Vikars der siebenbürgischen Bischöfe war. Bis etwa 1020 war es sogar der erste Bischofssitz Siebenbürgens. Erst nach der Festigung der kirchlichen Herrschaft über ganz Siebenbürgen wurde das geistliche Zentrum verlegt. Im Jahr 1556 setzten die Gläubigen in Trestenburg anstelle des vertriebenen Pfarrers einen lutherischen Prediger ein, womit die dauerhafte Präsenz der Reformation begann.
Bereits an der Synode von Óvári nahm der Prediger aus Großkarol teil, und 1567 unterzeichnete der mittelszolnokische Archidiakon auf der Synode von Debrecen das Helvetische Bekenntnis. Der nunmehr reformierte Kirchenbezirk gehörte zur Superintendenz jenseits der Theiß und umfasste zahlreiche Ortschaften der Region.
Die Gegend wurde durch türkisch-tatarische Verwüstungen, die Feldzüge Basta’s, Michaels des Tapferen sowie durch den Rákóczi’schen Freiheitskampf schwer in Mitleidenschaft gezogen. Viele einst blühende Gemeinden verschwanden, und nach dem Frieden von 1711 veränderte sich die ethnische und konfessionelle Zusammensetzung der Bevölkerung grundlegend.
Unter den zahlreichen Synoden des Kirchenbezirks ist besonders jene von Großkarol am 10. Februar 1591 hervorzuheben, bei der sich mehrere Kirchenbezirke gegen die Einführung des Gregorianischen Kalenders aussprachen, da sie darin eine Anerkennung der päpstlichen Oberhoheit sahen.
Ein weiteres kulturhistorisches Kuriosum stellt die Tasnáder Synode vom 16. Januar 1597 dar, an der neun Archidiakone und zweihundert Prediger teilnahmen. Hier wurde festgelegt, dass Weihnachten, Ostern und Pfingsten künftig nur noch zweitägig gefeiert werden sollten, wobei an beiden Tagen jeweils vormittags und nachmittags zu predigen war.
Nach der Vertreibung der Osmanen kehrten Debrecen und das Gebiet jenseits der Theiß staatsrechtlich zum Königreich Ungarn zurück, während der Szilágyság weiterhin unter der Jurisdiktion des autonomen Siebenbürgens verblieb. Diese doppelte Zugehörigkeit führte zu anhaltenden Konflikten, weshalb der Kirchenbezirk 1815 geteilt wurde. Die Ier-Gemeinden kamen zu Siebenbürgen, die übrigen verblieben mit Zentrum Großkarol im Kirchenbezirk jenseits der Theiß.
Im 20. Jahrhundert führten politische Umbrüche und die kommunistische Verwaltungspolitik zu weiteren Umstrukturierungen. 1968 wurden die Kirchenbezirke Großkarol und Sathmar vereinigt, bevor 1994 die heutige Organisationsform entstand.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sich die Grenzen des Kirchenbezirks Großkarol im Laufe der Geschichte mehrfach verändert haben, sein heutiger Zustand jedoch weitgehend die ursprünglichen Gegebenheiten widerspiegelt. Der Kirchenbezirk bewahrt zahlreiche kirchen- und kulturhistorisch bedeutende Denkmäler, darunter die Árpádenzeitliche Kirche von Ákos, eine der ältesten und wertvollsten Kirchen des Karpatenbeckens, mehrere mittelalterliche Gotteshäuser sowie bedeutende Erinnerungsstätten der ungarischen Kultur, wie das Geburtshaus von Ferenc Kölcsey in Sződemeter und das Erbe von Endre Ady in Érmindszent.
Dr. Pfr. Geréb Miklós